Gespräch vom 1.12.2000
Fragen: Alfred Dorfer
Antworten: Geri, Sophie, Daniel und Lukas (Schüler der 7A des BG 15)


Dorfer: Was ist die Musik, die euer Lebensgefühl am besten beschreibt?

Lukas: Ich bin ein großer Queen-Fan, aber ich hab natürlich auch andere CDs, mich interessiert vor allem die Musik der 70er. Nach Queen kommen bei mir die Beatles, John Lennon.
Mir gefällt auch die Musik der Hippiezeit. Aber Queen spricht mich am meisten an, weil diese Band am facettenreichsten ist und weil sie eben fast alle Stile durchgemacht hat. Das Musterbeispiel ist Bohemian Rhapsody, wo verschiedene Stile ineinander verkoppelt sind. Diese Musik ist, obwohl sie schon so alt ist, für mich immer noch die beste. Sie ist zeitlos. Auch klassische Musik, Mozart und so, ist zeitlos. Aber ich glaub nicht, daß man sagen kann, nur die alten Komponisten waren das Maß aller Dinge und daß das die Musik ist, nach der wir uns richten sollen. Es gab immer wieder musikalische Genies, die wunderbare Kompositionen schaffen konnten, egal ob das jetzt Rock ist oder eben Klassik.

Geri: Also, ich hör eigentlich alles, Aktuelles und Altes. Aber am liebsten hör ich Balladen von Mariah Carey, Celine Dion und Whitney Houston. Weil ich sie gern auch nachsinge, ich versuchs zumindest. Ich hör fast immer dieselbe CD seit 2 Jahren. Man kann nicht sagen: "Die Jugend hört das." Jeder hört halt was anderes.

Daniel: Es gibt keine Musik, die mein Lebensgefühl beschreibt. Ich hör Musik nur, um bestimmte Stimmungen auszudrücken oder nachempfinden zu können. Hauptsächlich hör ich Punkrock oder Crossover, weil das halt die Stimmung is, die ich am meisten hab.

Sophie: Mich fasziniert alte Musik viel mehr als die neue, eben Elvis Presley, Frank Sinatra, Beatles und diese ganzen Woodstock-Gruppen. Sie waren irgendwie melodischer als dieses heutige "Bumm-Bumm" Sie drückten auch dieses Freiheitsgefühl von den Jungen, dieses Aufbrechen, dieses Revoltieren gegen die alte Gesellschaft aus. Dieses Individuellwerden, jeder ist anders. Das ist für uns heute selbstverständlich, aber damals war das halt etwas Neues und diese Musik drückt das noch mehr aus als man es mit Worten überhaupt sagen kann. Es ist jetzt viel auch toleranter geworden mit der Musik Jeder bildet sich seine eigene Meinung dazu, hört sich alles an und entscheidet, ob es ihm gefällt. Das wird auch von den anderen mehr toleriert als früher. Das ist vielleicht das Verdienst der Hippiezeit, daß jeder mehr zu sich selbst gefunden hat.

Dorfer: Habt ihr das Gefühl die Freiräume zu besitzen, die ihr euch vorstellt und wo sind diese begrenzt?

Lukas: Ich schaffe mir meine eigenen Freiräume. Ich lege zwar Wert auf die Meinung von anderen, aber wenn sie sich von meiner unterscheiden, muß es nicht unbedingt gleich meine Meinung ändern. Ich denk über andere Meinungen nach, schau wie vernünftig sie sind und dann handle ich danach. Zum Beispiel bei der Musik, wenn mir jetzt einer sagt, er mag Queen nicht, denk ich mir, auch irgendwie sein Recht. Aber es wird mich nicht davon abhalten, sie zu hören. Ich hab mal eine CD mitgehabt in der Klasse, die ist eigentlich relativ gut angekommen, obwohl die Musik alt ist. Ich glaub, manche Leute urteilen einfach zu früh, das heißt, sobald sie hören, es ist veraltet, würden sie die CD auch nicht kaufen.

Dorfer: Wie hieß die CD?

Lukas: Das war das "Jazz" von Queen, also das Album, wo "Bicycle Race" drauf ist und "Don‘t stop me now" und "Mustapha". Soll ich’s erzählen? Wir haben einen Klassenkollegen, der ist letzen Jänner zum Islam übergetreten. Er heißt eigentlich Harald und er hat uns darum gebeten ihn ab sofort Ibrahim zu nennen, nachdem er das Lied gehört hat. Dieses Lied hat dadurch einfach alle in der Klasse angesprochen. Ich glaub, dadurch haben sich auch mehr Gedanken über die Musik gemacht.
Sonst im Allgemeinen, denke ich, daß Musik ein guter Ausdruck für Freiheit ist. Es ist wie mit Poesie oder mit Bücher lesen, man kann in andere Welten schlüpfen und fühlt sich dadurch freier. Dadurch, daß sich der Mensch Sachen, die nicht realistisch sind, vorstellen kann, ist es möglich einen Traum zu haben, ein Ziel und das daraufhin vielleicht sogar zu verwirklichen. Das steht den Menschen frei. Es kommt auch sicher auf den Staat an, in dem man lebt.

Daniel: Also ich glaub, der Lukas hat vorhin ein sehr gutes Beispiel gebracht, wenn er sagt, "Ich mag das nicht!" ist das was anderes als wenn er sagt, "Dreh das ab, das will keiner hören." Weil meine Ellbogenfreiheit endet bei seiner Nase und wenn er das hören will, dann soll er. Es hat sehr viel mit Toleranz zu tun. Wenn jemand tolerant mir gegenüber ist und versucht, mich mit Ratschlägen einzuschränken und mir klarmachen kann, warum das so sein soll, versteh ich das. Und dann fühle ich mich auch nicht eingeschränkt, sondern gut beraten.

Geri: Man kann auch von den Freunden eingeschränkt werden, weil wenn die Freunde sagen: "Nein, wir hören Mariah Carey nicht.", dann kann ich nicht mit meiner Mariah Carey da prahlen, sondern behalte es eher für mich. Ich laß mich zwar nicht beeinflussen, aber ich rede halt nicht mehr darüber. Es gibt das Beispiel einer Mitschülerin, die sehr viel Country hört. In der Klasse dürfen wir CDs mitbringen und sie traut sich halt nicht mehr ihre CDs mitzubringen, weil alle sagen: "Wäh, Country!"

Sophie: Also ich finde das Verhältnis, das die Kinder jetzt zu ihren Eltern haben, relativ gut, weil die Eltern sind immer für einen da, aber eher im Hintergrund und nicht so wie das Überich zu der Zeit der Hippies. Heute find ich gut, daß die Kinder handeln können und selbst Entscheidungen treffen. Aber sie können mit Fragen zu verschiedenen Themen doch zu den Eltern kommen und sich beraten lassen, weil die mehr Lebenserfahrung haben. Ich glaube, wenn wir noch mehr Freiräume hätten, dann wären wir schon mit 15 erwachsen und hätten überhaupt kein Feedback vom Elternhaus her. Dann könnten wir uns nicht in der Weise entwickeln wie wir es jetzt können.

Dorfer: Habt ihr den Eindruck, daß es einen Generationskonflikt gibt? Wenn ja, wo sind die Konfliktpunkte, wo die Gemeinsamkeiten?

Lukas: Manchmal hab ich das Gefühl, das Wort Generationskonflikt ist nur so entstanden, weil sich vielleicht in der Straßenbahn Jugendliche aufgeführt haben und Menschen dort eben gesessen sind, sich drüber aufgeregt haben und kein Verständnis dafür hatten. Ich hab einen Freund, der ist ziemlich viel älter als ich, er ist 27. Ich verstehe mich mit ihm sehr gut, wir unternehmen sehr viel miteinander. Wir beide haben auch über Generationskonflikt geredet und uns gewundert, daß es zwischen uns keinen gibt. Ich hab auch einen Bruder mit 26 und vielleicht hilft mir das zu verstehen wie mit anderen Altersgruppen umzugehen ist. Meine Oma ist jetzt 87 geworden und wir haben keine Probleme miteinander. Sie ist nicht so eine wie die Leute, die man oft auf der Strasse trifft, die immer nur schimpfen über irgendwas. Ich glaub, sie ist eine sehr tolerante Frau, sie hat eigentlich immer Verständnis für mich gezeigt, wenn ich mit irgendwelchen Problemen zu ihr kam, die eigentlich nur Jugendliche betreffen. Sie ist für mich eigentlich wie eine Freundin. Auch wenn sie mir irgendetwas erzählt, was sie jetzt betrifft, zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Alter, dann haben wir scheinbar eine Kommunikation aufgebaut, damit ich es verstehe. Ich glaube, Generationskonflikt kann dadurch entstehen, indem Generationen nichts von den andern wissen wollen sondern nur das, was sie denken, also ihre Einstellung als richtig empfinden. Es ist klar, ältere Menschen haben andere Ideale gehabt, daher sagen sie oft: " Zu meiner Zeit hätts das nicht geben." Das ist so ein typischer Satz. Ich glaube, wenn mehr Verständnis da wär, würd es dieses Problem auch nicht so geben.

Sophie: Also ich glaub, dass das Thema Generationskonflikt jetzt nicht mehr so aktuell ist, auch wenn manchmal ein Konflikt dadurch entsteht, dass sie uns nicht zuhören wollen oder ernst nehmen. Zum Beispiel mit den Lehrern, wenn man ihnen etwas sagt, also ganz normal von Mensch zu Mensch, nicht von Schüler zu Lehrer, dann nehmen sie einen manchmal nicht ernst, vielleicht auch weil sie Angst haben, ihre Autorität zu verlieren. Es müßte heute schon möglich sein, normal und offen zu reden ohne daß der Lehrer dem Schüler ein gewisses Machtgefühl vermitteln muß, diese Zeiten sind passe. Aber ich denke, daß wir viel von den älteren Generationen aufgrund ihrer Lebenserfahrung lernen können. Wenn wir zuhören würden und versuchen würden zu verstehen, könnten wir sicher auch viel für unser eigenes Leben erfahren.

Geri: Bei mir ist es ganz anders, weil meine Eltern sind ja nicht aus Europa und die sind wesentlich strenger und nicht sehr verständnisvoll. Also, sie verstehen mich schon, aber in Sachen rausgehen und wegbleiben, da sind sie schon sehr streng.

Daniel: Also ich glaub, daß der Generationskonflikt auf einem Kommunikationsproblem beruht und zwar weil die Älteren anders sprechen und diese ganze Art von den Jugendlichen nicht akzeptieren wollen. Nicht wirklich, also zumindest war es früher so. Jetzt sollte das eigentlich schon abgeschafft sein, weil die meisten Menschen akzeptieren können sollten, daß es auch andere Generationen gibt, die anders leben. Natürlich gibt’s a paar Depperte immer, aber im großen und ganzen dürfts dieses Unverständnis nimmer geben.

Dorfer: Es wird sehr oft – meistens von Erwachsenen – von Jugendkultur gesprochen. Könnt ihr mit diesem Begriff was anfangen?

Sophie: Ich denke, daß die Begriffe Jugendkultur und Generationskonflikt an Bedeutung verloren haben, weil die Erwachsenen wollen genauso jugendlich, vital und lebenslustig sein wie ihre Kinder und deswegen verschwimmen die Grenzen immer mehr. Also, meine Mutter ist genauso oder wahrscheinlich noch cooler angezogen als ich, weil Aussehen und Kleidung einfach irrsinnig wichtig ist. Ich find, sie übertreibt das Jugendliche manchmal. Nur die Omas sind noch immer, von der Kleidung her gesehen, in diesen braunen Kleidchen oder so, dieses Traditionelle mit dem Hütchen, aber das wird auch abnehmen, wenn unsere Elterngeneration Großeltern wird.

Lukas: Ich glaub, was Sophie gesagt hat mit den Eltern, die jünger sein wollen als sie sind – das ist schon irgendwie ein Problem. Es wird in unserer Gesellschaft so dargestellt, daß Altwerden etwas Schlechtes wäre. Weil es eben nicht in Mode ist, also nicht sein darf. Viele versuchen dem zu folgen und möglichst jung und vital zu sein. Aber es gibt einfach Leute, die können das nicht. In der Berufswelt sind auch nur Junge, Vitale gefragt. Das ist irgendwie verständlich, weil ein Junger in gewisser Weise mehr Leistung erbringen kann als ein Älterer. Aber mit dem Alter wiederum nimmt die Erfahrung zu. Es ist ein Wechselspiel, also ich glaub, man müßte mehr zusammenhalten, als nur zu sagen, diese eine Altersgruppe ist das Ideal und nach dem sollte man sich richten.

Dorfer: Habt ihr das Gefühl in der Schule etwas zu erfahren, daß euch weiterbringt? Wo könnte man das Schulsystem verbessern oder optimieren?

Daniel: Also ich mach mir zeitweise Gedanken über den Stoff, den wir machen. Mathematik! Das brauch ich nie wieder, wenn ich aus der Schule draußen bin, Differenzieren zum Beispiel. Ich glaub, man lernt vieles zu genau und das Schulsystem ist viel zu allgemein. Ich denke, man sollte sich schon viel früher spezialisieren können, indem ich jetzt schon wählen könnt in welche Richtung ich will. Aber viele wissen halt noch nicht, was sie wollen. Ich bin auch so einer, aber ich weiß, was mich nicht interessiert.

Sophie: Ich finde, wir sollten mehr übers Leben lernen. Jetzt haben wir erst ab der 7. Psychologie, zukünftig gibt es das ab der 5. Ich bin in Psychologie Wahlpflichtfach und da lernen wir sehr viel, weil wir führen irrsinnig interessante Diskussionen mit der Professorin. Sonst in der Schule lernen wir nur Theorie und schreiben mit und das bringt überhaupt nichts, also dem Schüler genauso wenig wie dem Lehrer. Es ist einfach nur fad. Was könnte man noch ändern? Ich würde, wenn ich es beeinflussen könnte, die Stunden länger machen und weniger Stunden am Tag. Also nur 4 Stunden zu je 75 Minuten oder so. Man muß halt die Klasse wechseln, ein bißchen wie in Amerika. Ich war ein Jahr in Kanada und das hat mir viel besser gefallen, weil in den Pausen, da sagt man immer, die sind dazu da sich zu bewegen und dann bewegt man sich nur vom Sessel zur Couch und fertig. Und dort muß man einen Kilometer gehen bis zur nächsten Klasse. Man lernt auch viel mehr, weil man in jeder Klasse in einer neuen Gruppe ist und immer einen neuen Nachbarn hat, den kennt man dann nur flüchtig und man redet nicht die ganzen Stunde mit ihm oder ihr und paßt mehr auf.

Geri: Ich finde, daß man mehr Freiheit haben sollte zu wählen, welche Fächer man nimmt. Wir haben das Schulsystem in Amerika besprochen. Dort darf man wählen zwischen Chemie, Psychologie, Physik. Das find ich gut, man kann alles intensiver machen und nicht von allem etwas lernen, was eh niemanden interessiert. Wenn ich zum Beispiel Physik machen muß und das interessiert mich überhaupt nicht, dann lern ich auch nichts. Aber wenn mich Psychologie wirklich interessiert, dann lern ich dort insgesamt mehr, als wenn ich beides genommen hätte.

Lukas: Ich finde, in der Schule wird oft nur der Lehrplan trocken unterrichtet und eigentlich versuchen die Lehrer nur möglichst mit dem Stoff fertig zu werden innerhalb des Schuljahres. Es gibt einige Fächer, wie Geschichte Wahlpflichtfach, da ist der Lehrer nicht so bedacht darauf den Stoff durchzumachen, ist ja auch wurscht, weil wir machen seit Anfang des Jahres dasselbe. Das Thema heißt der Staat Österreich, wir haben über die Strukturen gesprochen und da treten oft Fragen auf, die sich dann mit der Zeit weiter vom Stoff entfernen. Aber ich find, mit diesen Fragen, mit diesem Diskutieren in einer relativ kleinen Gruppe wird es viel interessanter. Unser Lehrer ist mehr so liberal, man könnte tratschen und essen daneben, wir essen halt nur und hören auch zu. Aber irgendwie packt es einen mehr als im normalen Unterricht und ich hab das Gefühl, ich lern viel mehr dabei. Daß gewisse Stoffgebiete vorgegeben sind, ist sinnvoll. Aber die Schule, in die wir gehen, heißt eigentlich Allgemeinbildende Höhere Schule. Ich erinnere mich gut an ein Erlebnis mit dem alten Direktor, der hat uns Fragen gestellt über irgendwelche Berge oder ich weiß nicht mehr was und es hat keiner von der Klasse etwas gewußt. Da war er eben zornig. Er hat gesagt, wir sind eine AHS und in der sollte man allgemein gebildet sein. Es kommt mir aber so vor als wär das, was wir hier lernen, eigentlich für nichts. Ich finde auch die Idee, daß ich schon viel früher entscheiden könnte in welche Richtung man geht, sehr interessant. Ich mag zum Beispiel Chemie nicht so sehr und das würd ich eben wahrscheinlich als 1. Fach abwählen. Dafür würde ich mich für Geschichte oder Musik entscheiden.

Geri: Weil wenn die Spezialisierung zu spät erfolgt, wissen viele nach der Matura noch immer nicht, was sie wollen. Hätten sie sich früher spezialisiert, dann wüßten sie früher was sie wollen und hätten gleich eine Richtung.

Sophie: Ich finde, daß der Unterricht viel fächerübergreifender sein sollte, wir reden jetzt in BE über Hieroglyphen. Wenn wir irgendeine Frage dazu stellen, eine präzisere, dann sagt der Professor, wir sollen den Geschichtelehrer fragen, obwohl es eigentlich zum Thema paßt und das ärgert mich. Das ist mir stark aufgefallen in letzter Zeit, daß irgendein Schüler eine Frage stellt und dann sagt der Lehrer, frag einen anderen, weil das gehört nicht zu meinem Stoffgebiet. Er muß seinen Jahresstoff durchbringen aber wenn er auf solche Fragen eingehen würde, würden die Schüler viel mehr lernen. Oder die Lehrer müssen einfach allgemeiner gebildet sein.

Dorfer: Man spricht allgemein von einem Desinteresse der Jugendlichen an Politik, wobei dabei fälschlicherweise Politik mit Parteien gleichgesetzt wird. In letzter Zeit ortet man wieder mehr Anteilnahme an politischen Vorgängen, trifft sich das mit euerem Gefühl?

Daniel: Also ich denk, daß das ganze Desinteresse auch eine gemachte Geschichte war. Wenn zum Beispiel eine Pressekonferenz, wo es um die Studiengebühren geht, um 9:30 beginnt, wo alle Leute, die es betrifft in der Schule oder in der Uni sind, kann man sich nicht wirklich dafür interessieren. Wer nimmt sich eine Parlamentsdiskussion auf, die um 10 Uhr beginnt? Und in der Schule lernen wir nur im Wahlpflichtfach Geschichte etwas über Politik. Im normalen Geschichtsunterricht hören wir von der Schlacht bei Waterloo, das ist eigentlich auch nicht das, was die Leute politisch interessierter macht. Mich interessiert es trotzdem. Vielleicht liegt es daran, daß ich in einer politischen Organisation bin.

Lukas: Ich interessiere mich nicht sehr für Politik. Aber durch Geschichte Wahlpflichtfach, - unser Lehrer weiß ziemlich viel aber er benützt die Strategie, sein Wissen nicht so aufzuzwingen wie andere Lehrer- durch diesen Unterricht interessiert mich Politik mehr als früher. Es ist ja Gesetz, daß in der Schule keine politische Werbung gemacht werden darf und das sollte eigentlich nur die Parteien betreffen. Wir haben letztes Jahr, wie wir diesen Schülerstreik hatten, ein Pickerl auf den Spind geklebt und der Klassenvorstand hat gesagt, das ist politische Werbung und wir mußten es entfernen. Durch diese Gesetzgebung wird es im Keim erstickt, daß man sich politisch Gedanken macht, weil man sich denkt, wenn ich jetzt in der Schule damit anfang, krieg ich Probleme mit den Lehrern.

Geri: Ich finde, in der Schule wird zu wenig über Politik gesprochen. Ich glaube, daß die Lehrer ihr Fach mit der Realität mehr verbinden sollten. Mit Mathematik wird das zwar ein bißchen schwer sein, aber trotzdem könnte man das eigentlich machen. Oder daß man bei Chemie Beispiele aus dem Alltag nimmt, nicht nur Formeln und Ausrechnen wieviele Atome das sind und so. In Geschichte schafft unsere Professorin die Verbindung zum Leben gut. Ich würde mich schon für Politik interessieren, aber nur aus den Zeitungen erfahren will ich es nicht.

Sophie: Das find ich genauso wie die Geri, weil ich versuch immer über die Politik einen gewissen Überblick zu haben, aber es gelingt nicht immer. Wenn dann nur im Gespräch mit meinen Eltern oder eben mit dem Geschichteprofessor. Auch im Fernsehen wird das so schlecht propagiert. Ich mein, die Zeit im Bild, das ist nicht wirklich die Art von Sendung, die ich mir anschauen würde. Ich finde, das könnten sie irgendwie anders aufmachen, dann würde es auch viel mehr Jugendliche ansprechen, weil das Thema an sich ist ja nicht uninteressant. Aber die Art wie es vorgetragen wird.

Dorfer: Gibt es ein Leben nach der Schule? Was erwartet ihr euch von dieser Zeit?

Sophie: Für mich besteht absolut ein Leben nach der Schule und ich freu mich schon irrsinnig darauf, weils mir jetzt schon langsam zum Hals heraushängt dort jeden Tag hinzugehn. Mein Traum wäre ins Ausland studieren zu gehen, nach England, weil dort das Architekturstudium sehr gut sein soll. Dann möchte ich wieder nach Österreich kommen, weil ich doch ein bißchen patriotisch bin, mein liebes kleines Land, und hier wohnen, arbeiten und eine Familie gründen. Ich würde dann gerne so ein richtig traditionelles Familienleben haben, mit Hund vielleicht. Keinen Single-Haushalt, ein paar Jahre eventuell, aber nicht ein Leben lang.

Daniel: Also, ich weiß wirklich noch überhaupt nicht, was ich machen werde. Weder beruflich noch familiär. Ich laß das erst einmal auf mich zukommen. Mich interessieren einige Sachen, aber das ist alles noch viel zu weit gefächert, um jetzt schon eine Entscheidung zu treffen. Ich muß mir da noch Zeit lassen. Ich möchte einmal lange ausschlafen, glaub ich. Angst vor der Zukunft hab ich nicht.

Geri: Also ich kanns auch kaum erwarten zu studieren. Jus oder Psychologie, dann möchte ich eine Arbeit haben und ganz normal leben. Und dann, wenn ich schon viel gespart habe, möchte ich einmal ganz viel reisen. Ich freu mich auch, weil ich dann endlich selbständig bin, also nicht mehr von meinen Eltern abhängig.

Lukas: Ich bin mir noch etwas unsicher, was ich lernen will. Mein Ideal wär, daß ich mit Musik Karriere machen könnt. Oder auch vielleicht als Schauspieler. Viel mehr hab ich mir eigentlich nicht vorgestellt. Andere Optionen hab ich keine. Ich weiß nur in welche Richtung ich ungefähr muß. Ich bin nicht so ein Mensch, der sagt: "Wenn ich das nicht schaff, dann mach ich halt was anderes." Weil ich glaub, mit der Einstellung kommt man nicht weit. Man muß eine Richtung verfolgen und man kann vielleicht innerhalb der Richtung andere Wege einschlagen aber die Richtung selbst sollte ziemlich klar sein.

Dorfer: Danke für das Gespräch und die Weihnachtsbäckerei.