Pressestimmen zu "Badeschluß"

In seinem dritten Solo ist Alfred Dorfer auf angenehmste Weise wohldosiert witzig: Dorfer, natur. Ohne billige Beilagen. Die Lieder und Conferencen sind auf das Wesentlichste verknappt, die Musiker – von Anfang an integraler Bestandteil des Bühnengeschehens – setzen beschleunigende Akzente und sorgen für die jeweils passende akustische Kulisse. (...) Und wer die Endzeitstimmung auch dann noch nicht verspürt, wenn das Trio Scherpe/Herrmann/Paal die Nationalhymne verblüffend harmonisch mit "Guten Abend, Gute Nacht" begleitet, dem singt er in der Zugabe die bittere Konsequenz im Klartext : "Wo der Schmäh aufhört". Danke, gar nicht lieb.
(Der Standard, 19.3.96)

Alfred Dorfers Programme sind wie Eisberge: Ein Achtel offensichtlich – sieben Achtel Tiefgang. Auch "Badeschluß" steckt voll fundamentaler Metaphorik und doppeldeutiger Dialektik: "Badeschluß" im Arbeiterstrandbad als Allegorie auf den Zustand des Sozialismus in Österreich. Aber wer nur das oberste Achtel wahrnimmt, hat auch seinen Spaß. Vielleicht sogar am meisten ...
(City, 9/96)

Was Alfred Dorfer in "Ohne Netz" noch als Soloshow mir sporadisch beigezogener Popcombo abzog, ist in "Badeschluß" zu einer Komposition herangereift. Nicht nur die Band wurde ins Programm eingearbeitet, die Musik selbst ist Teil des Bühnenbilds geworden. Eine kluge Regie läßt angebrochene Akkorde und beiläufige Melodiefetzen wie Sprechblasen platzen, pantomimische Einfälle Dorfers bekommen von den ergänzenden Soundtracks erst die Pointe aufgesetzt. (...) Die Abschnitte, in denen Dorfer einen niederen Gang einlegt und mit hoher Drehzahl eindimensionale Witze abfeuert, werden von seiner kabarettistischen Charakterdarstellung weit übertroffen. (...) Heute bleiben die rätselhaften Hälften der Antworten auf die eigenen Fragen unbeschädigt am Schluß eines identitätsstiftenden Programms stehen: "Ist es Yin? Ist es Yang? Oder ist es einfach wurscht?"
(profil 9/96)

Dorfer bedient sich in seiner Dramaturgie schneller Sequenzen, Bild folgt auf Bild, Szene auf Szene. Er agiert, erzählt und singt (wow!), perfekt und kongenial unterstützt von der Band. (...) Dorfers populärer Schmäh kommt rüber, er rennt im wahrsten Sinne des Wortes, ohne daß das Publikum gedanklich einen Zwischengang einlegen muß.
(Kleine Zeitung, 22.11.96)

Alfred Dorfer zischte in der Tafelhalle als letzter Schizo-Heuler (in der ersten Hälfte Karriere-Rechter, in der zweiten Altlast-Linker – Hauptsache man fühlt sich nicht allein) auf einer Mental-Doppelspur durchs Midlifekrisengebiet und atomisierte sämtliche Lebensfragen zu glitzerndem Satirestaub (...) Sein Nürnberg-Debut mit "Badeschluß" markierte die Meßlatte für die kommenden Kabarett-Tage. Es könnte auch ein Gipfelkreuz gewesen sein. (...) Ein beiläufig raffiniertes und hochprozentig ätzendes Giftstück.
(AZ Nürnberg, 27.10.98)

Ein bißchen Politkabarett, eine handvoll Sozialkritik, einige Nummern Comedy, mal drastische, mal subtile Witze, dazwischen Livemusik – kann diese wilde Mischung gutgehen? Sie kann, und wenn der Wiener Kabarettist Alfred Dorfer mit seiner Band diese Mixtur darbietet, wird sie zum perfekten Kleinkunstwerk. (...) Dorfer ist allein mit seinem Mundwerk schon eine Ausnahmeerscheinung im Kabarett. Gut singen und Klavier spielen kann er auch noch. Mit den drei kongenialen Musikern, die auch als Einsager fungieren, wird "Badeschluß" aber zur Show mit gekonntem Timing, die ein komplettes Sittengemälde skizziert.
(Nürnberger Rundschau, 27.10.98)

Schweißtreibend war es, dem spitzzüngigen Anhänger des tiefschwarzen Humors akustisch wie gedanklich ständig auf den Fersen zu bleiben. Den Zuschauern blieb bei Dorfers Pointen-Feuerwerk rund um Italien-Urlaub, Liebe und damit verbundene Probleme, sowie die kleinen, aber tiefen Fallgruben des Lebens an sich jedenfalls kaum Zeit Luft zu holen.
(Kronen Zeitung / Tirol, 30.10.98)